HOFFMANNs ZOOGESCHICHTEN

Gerhard Hoffmann ist der Autor mehrerer Bücher über die Affen der Neuen Welt. Bisher sind im Filander Verlag erschienen:

Löwenäffchen
Hoffmanns Zoogeschichten

Gerhard Hoffmann schildert hier regelmäßig seine Eindrücke von zahlreichen Zoobesuchen und gibt Tipps und Hinweise für einen lohnenden Besuch. Insbesondere gibt er Antworten auf die Frage, wo man die ihm ans Herz gewachsenen neuweltlichen Affenarten »life« erleben kann.

Links zu den besuchten Zoos und Tiergärten

ZOO BASEL

TIERPARK BERLIN

ZOO BERLIN

ZOO EBERSWALDE

Zoologischer Garten Basel (CH)

Neben großen Tieren, wie Flusspferd, Bär, Elefant, Giraffe und Nashorn gibt es in dem insgesamt schönen, gepflegten Zoo eine gute Auswahl an Primaten. Gorillas, Schimpansen aus Afrika, Orang-Utans und Javaneraffen aus Asien, Klammeraffen, Springaffen, Sakis, Wollaffen, Totenkopfaffen, drei Arten Krallenaffen aus Südamerika und Kattas aus Madagaskar sind in naturnah ausgestatteten Gehegen zu sehen. Besonders schöne Fotos gelangen mir von den Goldgelben Löwenäffchen. Es waren diese Fotos, die mich dazu bewegten, trotz zeitweilig unbefriedigender Ergebnisse, bei der Primatenfotografie weiter zu machen. – Bei allen Anlagen merkt man das Bemühen um eine artgerechte Haltung. Der »ZOLLI« Basel ist bei der Bevölkerung beliebt und wenn man Glück hat, gerät man in eine der vielen Kindergruppen. Dann kann man sich köstlich amüsieren. An Tierfotografie ist in diesen Momenten nicht zu denken. Aber die Gruppen ziehen weiter und es wird wieder stiller in den Tierhäusern. Wenn die Primaten sich gegenseitig groomen, miteinander spielen, essen oder ruhen und schlafen kann man viele Eigenarten entdecken und dann vergisst man auch mal auf den Auslöser der Kamera zu drücken.

Goldgelbes Löwenäffchen Die Begegnungsmöglichkeiten mit Primaten sind bis 2011 eingeschränkt, da neue Anlagen im Bau sind und einige Arten ausgelagert werden mussten. So wurden die Orang-Utans in den Zoo Gelsenkirchen umgesiedelt, Schimpansen und Gorillas haben in Anlagen auf einem Nachbargrundstück ein vorrübergehendes Zuhause gefunden. Im Jahre 2012 wird die großzügige Außenanlage für Menschenaffen fertig sein, dann ist der »ZOLLI« um eine Attraktion reicher. Am besten, man informiert sich auf der Webseite des Zoos.

Fotografie und ihre Folgen

Nicht nur in Deutschland gibt es interessante Zoos. Auch über die Grenzen hinweg wird viel Mühe aufgebracht, Tiere dem Publikum in artgerechter und naturnaher Umwelt zu zeigen, Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit zu unterstützen und einen großen Beitrag zur Arterhaltung zu leisten. Ich werde deshalb zukünftig in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen auch mit ausländischen Zoos beschreiben. Den Anfang wird der Zoo Basel »ZOLLI« beim nächsten Mal machen.

Lepilemur

Zunächst will ich heute erzählen, was ich mit den vielen Tierfotografien machte. Wenn die Anzahl der Fotos dazu führt, dass man die Übersicht verliert, sollte man sich Gedanken über eine sinnvolle Archivierung machen. Ich habe alle Fotos über Säugetiere herausgesucht und festgestellt, dass die Primaten zahlenmäßig alle anderen Säuger überstiegen. Nun wollte ich die Primaten nach taxonomischen Gesichtspunkten ordnen. Dazu nahm ich Brehms Tierleben von 1956 zu Hilfe. Nach Beendigung der Zuordnungen scannte ich die Bilder in den Computer, machte Texte dazu und druckte alles aus. Ein Zoodirektor, studierter Biologe, sah sich das Werk an und meinte, dass die Grundlagen meiner Sortierung völlig veraltet seien und gab mir Tipps für entsprechende Literatur. Mit diesen für mich neuen Erkenntnissen konnte ich nun systematischer auf Primatensuche gehen. Dabei stieß ich auf ein weiteres Problem: Nachtaktive Primaten. Nur selten und unter erschwerten Bedingungen werden gute und brauchbare Fotos produziert. Man muss im verdunkeltem Nachthaus der Zoos mit Blitzlicht arbeiten. Schon die richtige Einstellung der Entfernung, der Schärfe, usw. ist ein Glücksspiel. Zudem sind die Tiere sehr flink und sitzen kaum still. Außerdem gibt es nicht viele Zoos mit nachtaktive Arten. Eine Alternative wäre, wenn statt eines Fotos eine Zeichnung Verwendung findet. Und da hat mich meine Frau unterstützt. (Siehe nebenstehenden Lepilemur - Halbmaki).

Eberswalde und Staßfurt

Im Norden Berlins liegt Eberswalde. Diese Stadt hat einen Zoologischen Garten, der sich sehen lassen kann. Bewusst hat man hier auf die großen Tiere wie Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Giraffen sowie alle Arten Großer Menschenaffen verzichtet und sich auf kleinere Arten konzentriert. So findet man bei den Primaten eine gute Auswahl an Krallenaffen. Alle Gehege sind naturnah und artgerecht ausgestattet, wobei die einmalige Lage des Tiergartens mitten in einem Waldgebiet beeindruckt. Eine Tierpflegerin berichtete von einem Goldgelben Löwenäffchen mit kurzem Schwanz: Lange Zeit war ein einzelnes Löwenäffchen zusammen mit einem Weißbüscheläffchen in einem Gehege untergebracht. Die beiden vertrugen sich vorzüglich, und es entstand eine »tierische Freundschaft«. Nun trennte man die Beiden und gab dem Löwenäffchen ein neues Löwenäffchen ins Gehege. Dies ging nicht gut. Der »alte« Löwenaffe biss schließlich dem »Neuen« einen Teil des Schwanzes ab. Man stellte den alten Zustand - Löwenäffchen plus Weißbüscheläffchen - wieder her. Der »neue« Löwenaffe lebt nun allein, allerdings von anderen Krallenaffen nur durch eine Maschendrahtabtrennung getrennt. Voller Tatendrang bin ich von Gehege zu Gehege gehetzt und habe wie wild fotografiert. Das Ergebnis war niederschmetternd. Nur wenige Fotos waren brauchbar.

Mit Katta

Das habe ich meinem Freund Hartmut erzählt. Er machte mich auf den Zoo Staßfurt, südlich von Magdeburg, aufmerksam. Wir fuhren hin, und ich war verblüfft. Schön gelegen, gut gepflegt und meist neue, moderne und naturnahe Anlagen für alle Tiere. Auch hier fehlen die großen Arten, was aber kein Nachteil ist. Ich war erstaunt über die Anzahl an Primaten in diesem kleinen Zoo. Aber am erstaunlichsten ist der Eintrittspreis: 1,00 € pro Person. Dieser »Tiergarten Staßfurt« ist eine Betriebsstätte der anerkannten Werkstatt für behinderte Menschen der LEBENSHILFE Bördeland gemeinnützige GmbH. Besonders im Bereich des Restaurants sind diese leicht behinderten Menschen tätig. Bei der Tierpflege werden sie von professionellen Tierpflegern unterstützt. – Zum Primatenbestand zählen: Husarenaffen, Gehaubte Kapuziner, Grüne Meerkatzen, Weißbüscheläffchen und Lisztäffchen. In einer besonders schönen, für Besucher zugänglichen Freianlage sieht man Kattas. Wie das Foto zeigt, konnte sich mein Freund von der Friedfertigkeit und Zutraulichkeit dieser Lemuren überzeugen. Alle Primaten hatten erst kürzlich Nachwuchs geboren, bzw. waren um Nachwuchs bemüht. Was ein Wohlbefinden signalisieren könnte.

Auch meine Fotos waren diesmal wieder brauchbar. Was ich mit den vielen Fotos mache, werde ich in der nächsten Zoogeschichte erzählen.

Berlin zum Zweiten: Tierpark Friedrichsfelde

Es gibt in Berlin noch einen zweiten Zoo: Tierpark Berlin Friedrichsfelde. Dieser Tierpark wurde im Ostteil der damals geteilten Stadt gegründet und unter der Leitung von Professor Dr. Dathe zu einer attraktiven, wissenschaftlichen Institution entwickelt. Heute stehen beide Zoos in Berlin unter einer Leitung, so dass sie sich gegenseitig austauschen und ergänzen können.

Roter Vari

Die Primaten des Zoologischen Gartens habe ich im letzten Bericht behandelt. Im Tierpark Friedrichsfelde gibt es eine Reihe interessanter Primaten: Gibbons auf einer Insel in einem See, schöne Freianlagen für Schweinsaffen, Rotgesichtmakaken, Berberaffen, Rhesusaffen und für die stark gefährdeten Gelbbrustkapuziner, eine weitere Insel für Kattas; ein neueres Affenhaus mit angrenzenden Freianlagen für Husarenaffen, Rotscheitelmangaben, Brazza- und Monameerkatzen, Dscheladas, sowie für Mohren- und Mongozmakis. Relativ neu ist eine für Besucher begehbare Anlage für Varis. Hier gibt es den direkten Kontakt mit diesen Tieren. Alle genannten Arten haben mit meist neueren Anlagen ein kleines artgerechtes Habitat zur Verfügung.

Die ebenfalls vorhandenen Krallenaffen haben leider keine so guten Unterkünfte. Nach meiner Meinung sind die Vitrinen im Dickhäuterhaus zu dunkel, um eine artgerechte Haltung der Rothandtamarine, Rotbauchtamarine und Kaiserschnurrbarttamarine zu gewährleisten. Genügend Kunstlicht ist vorhanden; die Einrichtung zeugt vom Bemühen der Pfleger, den Tieren eine natürliche Umwelt zu schaffen. Aber es fehlt doch die Möglichkeit, das Tages- und Sonnenlicht in einem Freigehege zu nutzen. Vor ein paar Jahren lebte ein Goldkopflöwenäffchen zusammen mit einem Rotbauchtamarin in einer Vitrine an der Außenwand des Dickhäuterhauses. Man konnte das Innere der Vitrine kaum erkennen, weil sich in der nicht entspiegelten Scheibe die Außenwelt spiegelte. Trotzdem habe ich im Tierpark Friedrichsfelde mit die ersten brauchbaren Fotos von Krallenaffen machen können. Vor einigen Jahren lebten hier noch Goldgelbe Löwenäffchen und Zwergseidenäffchen zusammen in einer Vitrine. Ich bin nun mal ein Krallenaffenfan und hatte gehofft, dass mit dem Geld aus der Vermarktung des Eisbären Knuth ein neues Krallenaffenhaus gebaut wird und die Krallenaffen des Zoologischen Gartens und des Tierparks zusammen in ein für Besucher und Bewohner attraktives Heim kommen. Damit wäre eine Aufgabenteilung erreicht. Während sich im Zoo die Menschenaffen tummeln, könnten im Tierpark die Krallenaffen gehalten werden. Und warum kann man die schönsten Krallenaffen, die Löwenaffen, nicht in einem der beiden Hauptstadtzoos finden?

Tschüss, bis zum nächsten Mal.

Im Zoo Berlin

Der Zoo in Berlin wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört. Die meisten Tiere waren aber bereits ausquartiert. Nach Kriegsende konnte der Wiederaufbau in Angriff genommen werden, und die Tiere kehrten in ihren Heimatzoo zurück. Für die Berliner und auch für die meisten Touristen gehört dieser traditionsreiche Zoo mit seinem weltberühmten Aquarium zu den absoluten Attraktionen der Stadt. Man denke nur an den Massenauflauf zum Eisbärjungen Knut mit seinem Ziehvater Thomas Dörflein. Aber dieser Zoo hat auch einen guten Bestand an Primaten. Neben vier Arten Menschenaffen (Gorilla, Orang-Utan, Schimpanse und Bonobo) gibt es Gibbons, Makaken, Meerkatzen, Languren, Varis, Makis und nachtaktive Mausmakis, Galagos, Pottos, Nachtaffen, Fingertiere und Loris im Nachthaus. Unter den südamerikanischen Primaten sind im Berliner Zoo Krallenaffen, Klammeraffen, Totenkopfaffen, Springaffen, Kapuzineraffen und Brüllaffen vertreten. Die Unterbringung ist aber sehr unterschiedlich. Während die größeren Primaten neben ihren Innengehegen schöne, meist weitläufige Außenanlagen benutzen können, sind die kleineren Arten wie die Krallenaffen benachteiligt. Die Innenanlagen bestehen aus größeren vitrinenartigen, mit Fliesen ausgestatteten Gehegen. Über eine »Katzenklappe« in etwa 1 1⁄2 Meter Höhe können die Tiere in ein Freigehege gelangen. Diese Freigehege hängen käfigartig hoch oben außen am Primatenhaus und werden meist durch davor stehende Bäume verdeckt, so dass der Besucher keine Sicht auf die Tiere hat, wenn sie im Freien sind. Die Innenanlagen werden von den Tierpflegern mit Ästen und Seilen ausgestattet, so dass die Tiere genügend Bewegungsmöglichkeiten haben und damit eine artgerechte Haltung ermöglicht werden soll. Auch machen alle Tiere einen gesunden und gepflegten Eindruck.

Fotografieren konnte ich sie aber nur durch die Glasscheiben der Innenanlagen. Um ein Spiegeln des Blitzlichtes zu vermeiden, habe ich immer schräg zur Scheibe fotografiert. So konnte ich beachtenswerte Erfolge verbuchen. Nur im Nachthaus ist das Fotografieren in völliger Dunkelheit ein Glücksspiel. Trotzdem habe ich einige gute Aufnahmen machen können. – Als ich vor einigen Jahren bei einem Zoobesuch das Primatenhaus verließ, tummelten sich draußen einige Totenkopfäffchen im Gebüsch und in den Zweigen eines nahestehenden Baumes. Ich bin daraufhin zu den Pflegern in der Futterküche geeilt und habe über meine Entdeckung berichtet. Die Antwort war: »Die dürfen det!«

Wie eine Passion entsteht

Normalerweise geht man in den Zoo, um Tiere zu sehen, um sich zu entspannen. Aber dann nimmt man einen Fotoapparat mit und beginnt das eine oder andere Tier zu fotografieren. Nach einer gewissen Zeit entdeckt man ein Interesse an bestimmten Tieren. In meinem Falle waren es die Affen. Zuerst die großen Menschenaffen, weil sie sich leichter ins Bild bringen lassen. Aus der »Knipserei« wird dann mit der Zeit eine richtige Sucht, ein Fotojagdfieber!

Beim Schlendern durch die verschiedenen Affenabteilungen schält sich dann eine Gruppe heraus, deren Mitglieder sich als Fotomotiv besonders gut eignen. Bei mir waren es in erster Linie die kleinen Krallenaffen. Es sind meist sehr schöne Tiere, finden aber bei dem normalen Zoobesucher leider recht wenig Beachtung. Es ist nicht leicht, diese kleinen und flinken Äffchen mit gutem Ergebnis abzulichten. Zuerst knipste ich voll drauflos. Im Nu war der 36er Film meiner analogen Spiegelreflex-Kamera voll. Die meisten Aufnahmen mussten mit Blitzlichtunterstützung geschossen werden, und nach der Entwicklung zeigte sich, dass mehr als 50% der Aufnahmen unbrauchbar waren. An was es wohl gelegen hatte? War ich in der Aufregung des Jagdfiebers zu hastig? Hatte ich vergessen, dass sich das Blitzlicht in der Gehegescheibe spiegeln könnte, und somit die Aufnahme wertlos würde? Oder war einfach meine Ausrüstung, inklusive des Blitzgerätes, veraltet und zu langsam?

Erst mit der Anschaffung einer neuen Ausrüstung, aber noch analog, und mit der Überwindung der inneren Unruhe wurden die Ergebnisse wesentlich besser. – Aus dieser harmloser Fotojagd in den beiden Zoos in Berlin wuchs das Verlangen nach mehr! Andere Zoos mit anderen Krallenaffenarten wurden gesucht, gefunden und besucht. Die Fotojagd alleine genügte nun nicht mehr, und der Wunsch nach mehr Informationen über die Äffchen wurde immer stärker. Welche Zoos ich besuchte und wie ich an Informationen über die Äffchen kam, das sollen die nächsten Beiträge an dieser Stelle zeigen.